Was tun wenn die Schulter schmerzt?
Probleme mit der Schulter sind leider häufig. Als Gelenk mit dem größten Bewegungsumfang ist die Schulter nicht besonders stabil. Überlastungen der Schulter durch Überkopfsportarten wie Tennis oder Handball, aber auch verschleißbedingte Veränderungen können schmerzhafte Entzündungen und Schwellungen des Schultergelenks verursachen. Wenn selbst gezielte Physiotherapie, Tabletten und Spritzen die Beschwerden nicht beheben, kann ein sogenannter arthroskopischer Eingriff mit anschließender professioneller Physiotherapie dem Schultergelenk zu neuer Stärke verhelfen.
Ein Blick durchs Schlüsselloch: Was ist eine Schulterarthroskopie?
Minimal–invasive, arthroskopische Eingriffe am Schultergelenk stellen eine wesentliche Errungenschaft der modernen Medizin dar und gehören zu den Eingriffen, die am Ortenau Klinikum sehr häufig durchgeführt werden. Dr. Helmut Renner, Leiter der Sektion für Arthroskopie und Arthroskopische Chirurgie am Ortenau Klinikum Achern erklärt: „Bei diesem Eingriff genügt ein winziger Schnitt an der Schulter, durch den das Arthroskop, ein spezielles Behandlungsinstrument, und die zur Versorgung der Verletzung notwendigen chirurgischen Geräte wie durch ein Schlüsselloch eingeführt werden. Mittels eines Schnittes von etwa einem halbem Zentimeter und einer Kamera, die die Bilder während des Eingriffs vergrößert wie auf einem Fernsehbildschirm zeigt, können Schultergelenkverletzungen direkt optimal behandelt werden.“ Dass keine gesunden Strukturen unnötig verletzt werden, sieht der Mediziner als größten Vorteil an. Die Belastung ist für den Patienten deutlich geringer als bei einer offenen Operation, auch die Genesung erfolgt deutlich schneller.
Doch auch nach einem kleinen Eingriff sind geeignete Rehabilitationsmaßnahmen nötig, um das erkrankte Gelenk schnell wieder mobil zu machen. Im Ortenau Klinikum Achern kümmern sich Franziska Müller und ihr Team aus Krankengymnastinnen und -gymnasten, Masseuren und Sporttherapeuten um die Umsetzung dieser Maßnahmen.
In enger Abstimmung mit den Spezialisten um Herrn Dr. Renner arbeiten Franziska Müller und ihr Team mit dem Patienten nach einer Schulterarthroskopie unter anderem mit der „Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation“, einer Methode, die vereinfacht auch als PNF-Stretching oder PNF bezeichnet wird. Beim PNF werden die so genannten Propriozeptoren – empfindliche Reizempfänger in den Muskeln – beispielsweise durch Druck, Dehnung oder Streckung angeregt. Dadurch können Spannungen normalisiert und die allgemeine Mobilität gesteigert werden. Eine weitere krankengymnastische Behandlungsmethode nach einer Schulterarthroskopie ist das besonders gelenkschonende Isokinetische Training: Patienten trainieren dabei an computergesteuerten Geräten, welche Muskelbelastungen in Echtzeit auswerten, entsprechend dosieren und den Trainingsverlauf damit optimieren können.
Starke Schultern: Drei Übungen für den Alltag
Mit einigen einfachen Übungen, die sich problemlos auch im Alltag ausführen lassen, kann man die Schulter dauerhaft fit halten – nicht nur nach einer Operation.
Übung 1. Zum Aufwärmen eignet sich zum Beispiel Schulterkreisen: Dazu strecken Sie Ihre Arme auf Schulterhöhe nach außen aus. Nun beschreiben Sie langsame Kreisbewegungen mit den Armen: zuerst ganz klein, dann immer größer, dann wieder kleiner. Anschließend kreisen sie die Arme in die Gegenrichtung und wiederholen die Übung.
Übung 2. Nach dem Aufwärmen legen Sie sich mit angewinkelten und aufgestellten Beinen auf den Rücken. Die Arme halten Sie verschränkt nach oben und bewegen dann das Kinn zur Ellbogenbeuge. Diese Übung sollte etwa 30 Sekunden ausgeführt werden. Nach einer kleinen Pause folgt ein zweiter Satz. Das Ganze wiederholen Sie dann vier bis sechs Mal.
Übung 3. Für die dritte Übung begeben Sie sich in den Kniestand und stützen Sie sich mit den Händen auf dem Boden auf. Dann beugen und strecken sie abwechselnd die Arme – genau so, wie Sie es von Liegestützen kennen.
Interview mit Herrn Dr. Helmut Renner, Leiter der Abteilung Arthroskopie und Arthroskopische Chrirurgie am Ortenau Klinikum in Lahr.
Herr Dr. Renner, Sie betreuen mehrere Profi-Teams aus dem Sportbereich als Mannschaftsarzt.
Gibt es Verletzungen, die Ihnen im Sport besonders häufig begegnen?
Tatsächlich sind die Schulter und das Knie von Sportverletzungen besonders häufig betroffen. Aber auch Verletzungen an Sprung- und Ellbogengelenk sind nicht selten. Am Ortenau Klinikum Achern führen wir pro Jahr an diesen Gelenken rund 1.000 arthroskopische Eingriffe aus.
Gibt es eine spezielle „Zielgruppe“ für die Übungstipps zur Kräftigung der Schulter?
Die Schulter ist das mit Abstand beweglichste Gelenk des Körpers und wird in erster Linie von Muskeln und Sehnen stabilisiert. Die Stärkung der das Schultergelenk führenden Muskelpartien ist deshalb enorm wichtig – und zwar für alle Menschen. Grundsätzlich sind diese Übungen für alle geeignet, die ihre Schulter kräftigen und so Schmerzen vorbeugen möchten. Aber Vorsicht, bei diesen und allen anderen Übungen gilt: Wer akute Schmerzen hat, fragt erst den Arzt oder Physiotherapeuten um Rat, bevor er mit dem Schultertraining beginnt.
Bietet die arthroskopische Chirurgie besondere Vorteile hinsichtlich anschließender physiotherapeutischer Maßnahmen?
In der arthroskopischen Chirurgie arbeiten wir mit sehr kleinen Operationsinstrumenten, die durch das so genannte Arthroskop in die betroffenen Gelenke eingeführt werden. Dazu sind nur millimeterkleine Schnitte nötig, so dass nach einem Eingriff in der Regel schnell mit der Mobilisation des Patienten begonnen werden kann. Das heißt: Die Maßnahmen zur Rehabilitation beginnen früh und erlauben dem Patienten eine schnelle Rückkehr in den Alltag.
Über das Ortenau Klinikum
Das Ortenau Klinikum (www.Ortenau-Klinikum.de) ist ein Baden-Württembergischer Klinikverbund mit zahlreichen medizinischen Zentren und Schwerpunkten an neun Klinikstandorten und insgesamt 1.800 Planbetten. Mit rund 5.000 Mitarbeitern zählt das Ortenau Klinikum deutschlandweit zu den 100 größten Arbeitgebern in der Gesundheitsbranche. Träger ist der Ortenaukreis. Jährlich werden hier 75.000 Patienten stationär behandelt. Und jährlich erblicken 3.500 Babys in den Ortenauer Kreißsälen das Licht der Welt.


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